BannerbildBannerbild
  • Link zur Seite versenden
  • Ansicht zum Drucken öffnen
 

Geschichte (Kurzfassung)

Siedlungsentwicklung und Struktur von Berschweiler

Die Ursprünge der Gemeinde Berschweiler reichen bis ins Jahr 1200 zurück, wobei archäologische Funde belegen, dass das Gebiet bereits um 500 v. Chr. besiedelt war. Dies hängt eng mit der historischen Verkehrsroute Mosel-Nahe-Glantal zusammen. Zudem führte eine römische Straße aus dem 3. Jahrhundert n. Chr. durch das Gebiet – Urnenfunde zeugen von dieser vergangenen Epoche. Erstmals urkundlich erwähnt wurde Berschweiler im Jahr 1336 durch Graf Johann III. von Sponheim-Starkenburg. Der Ortsname leitet sich von „auf den Bergen gelegener Weiler“ ab.

Vom Bergbau zur modernen Gemeinde

Bereits um 1500 wurde in Berschweiler neben der Landwirtschaft Kupfer- und Eisenerz abgebaut – eine wichtige wirtschaftliche Stütze der Region. Damals gehörte der Ort den Rittern von Kyrburg. 1514 zählte man zwölf Haushalte, bis 1604 schrumpfte die Zahl auf sechs.

Die Bildung hatte in Berschweiler früh einen hohen Stellenwert: 1660 begann erstmals der Unterricht für Kinder, 1750 wurde ein geregelter Winterschulbetrieb eingeführt. Die erste Schule befand sich im alten Rathaus, einem Gebäude aus dem Jahr 1720. Mit dem Neubau einer Schule im Jahr 1838 wurde dort unterrichtet – inklusive Lehrerwohnung, Stall, Scheune und Garten.

Wirtschaftlicher Wandel und Infrastrukturentwicklung

Der Erzabbau hatte auch im 18. und 19. Jahrhundert eine große Bedeutung. 1724 sicherten sich die Gemeinden Abbaurechte am Staufenberger Hof, zwischen 1700 und 1850 wurde zudem Toneisenerz gefördert. In dieser Zeit wuchs die Bevölkerung rasant: Von 94 Einwohnern im Jahr 1815 auf 220 im Jahr 1845.

1860 brachte der Bau der Nahetalbahn neue Impulse für die Region. 1863 führte ein Kirchenstreit zur Verlegung und 1866 zum Neubau der Kirche in Berschweiler. Der Sandsteinbruch in der „Faust“ wurde 1880 stillgelegt, während andere Steinbrüche weiter betrieben wurden.

Fortschritt und Wandel im 20. Jahrhundert

Nach 1895 verschwanden aus Brandschutzgründen die Strohdächer. Ab 1904 wurde verstärkt Flachs angebaut und verarbeitet. Wichtige Meilensteine der Infrastruktur folgten: 1910 erhielt Berschweiler fließendes Wasser, 1915 wurde das Stromnetz ausgebaut. In den Jahren 1929 und 1936 entstanden das Gemeindehaus und das Denkmal an der Kirche, 1937 folgte eine Hochspannungsleitung.

Während des Zweiten Weltkriegs gab es Versuche, die Kupfererzförderung wieder aufzunehmen. Die 1838 erbaute Schule wurde 1950 modernisiert und bis zur Schulreform 1969 genutzt. 1971 entstand im Erdgeschoss des Rathauses ein Jugendraum, dessen Innenausbau die Jugend selbst übernahm.

Mit dem Ende des Bergbaus im 18. Jahrhundert verlagerte sich der Fokus auf die Landwirtschaft. In den 1950er Jahren wandelte sich das bis dahin bäuerlich geprägte Dorf durch die Industrialisierung: Viele Familien gaben die Landwirtschaft auf oder führten sie nur noch im Nebenerwerb. Von einst 40 landwirtschaftlichen Betrieben sind heute noch zwei aktiv.

Berschweiler heute

Der Strukturwandel hat das Ortsbild geprägt. Ehemalige Höfe und Scheunen wurden mit viel Liebe zum Detail in Wohnraum umgestaltet und so erhalten. Heute präsentiert sich Berschweiler als moderne Gemeinde in einer idyllischen, ländlichen Umgebung – mit einer spannenden Geschichte und einem starken Gemeinschaftsgeist.

unnamed

alte Dorfansichten

alte Dorfansichten
Blick in die Hauptstraße (heutige Rathausstraße)

Blick in die Hauptstraße (heutige Rathausstraße). Bildaufnahme um 1910.

Altes Rathaus

Altes Rathaus (Rodes)

Bildaufnahme um 1912

 

Erbaut wurde das alte Rathaus um das Jahr 1650 (lt. andere Quellen im Jahr 1720).

 

Dr. Karl Hahn hatte das Gebäude im Heimatkalender von 1961 wie folgt beschrieben:

 

Seine Grundfläche war schmal, lang, so dass es in dem massiv bruchsteingemauerten Erdgeschoss nur ein Treppenhaus und ein kleines Zimmer umfasste. Der erste Stock war aus schweren Eichenbalken gezimmert und in Lehmfachwerk ausgeführt. Er ragte an der Westseite fast einen Meter über das Erdgeschoss hinweg. Das zweiseitige schmucke Schieferdach trug auf der der zugewandten Giebelseite ein breites viereckiges Türmchen. Das Dach dieses Türmchens war das Eigenartigste und Schönste an dem Rathaus. Auf achteckiger Grundfläche saß es dem kurzen Turm auf und wölbte sich in geschwungenen Barocklinien helmartig darüber.

 

Die Spitze des Turmdaches war von einem Kugelkopf gekrönt. So wie das Rathausdach war das ganze Türmchen und das Helmdach Schiefergedeckt. Auch die ganze Westseite des ersten Stockes war verschiefert. In dem Türmchen war ein schmiedeeisernes Uhrwerk und an der Westseite war ein großes Zifferblatt aus Eichenbrettern. Die Stundenzahlen auf dem Zifferblatt waren in römischer Schrift, aus Schiefer ausgehauen und rundum aufgenagelt.

 

Abriss und Neubau an gleicher Stelle erfolgte im Jahr 1928/1929