Pfarrer Günter Kochheim verabschiedet

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Pfarrer Günter Kochheim verabschiedet

Pfarrer Uwe Kreutz übernimmt die Pfarrstelle

Er hat mehr als eine Generation die Menschen in Bergen, Berschweiler und Griebelschied seelsorgerisch begleitet. Einige Kinder, die er einst getauft hatte, hat er auch getraut: Pfarrer Günter Kochheim. Nun geht er in den Ruhestand. Nachfolger ist ab dem 1. September 2017 Pfarrer Uwe Kreutz aus Niederwörresbach, der sich neben den Kirchengemeinden Veitsrodt-Herborn und Niederwörresbach dann auch noch um Bergen kümmern wird. Die Kirche war voll besetzt, Musikdirektor Peter Nerschbach erhielt für seine Orgelstücke viel Beifall.

Herzstück des Abschiedsgottesdienstes, der vom Projektchor Bergen mitgestaltet wurde, war jedoch die Predigt. Pfarrer Kochheim erinnert sich noch an die Worte von Pfarrer Ernst Buckert, der bei Kochheims Einführung und Ordination im Oktober 1980 zu ihm sagte: „Sie werden es hier in Bergen nicht leicht haben.“ In der Tat: Leicht war es nicht in der kleinen und armen Gemeinde, deren finanzielle Mittel fast ausnahmslos in die Erhaltung der drei denkmalgeschützten Kirchen geflossen sind.

Im Laufe der Jahre sei die Musik ein Gemeindebaustein geworden, betonte der 65-jährige Pfarrer. Frauenchöre wurden ins Leben gerufen, die Gottesdienste und Trauerfeiern gesanglich mitgestaltet. „Dies alles war keine Selbstverständlichkeit“, sagte Kochheim und dankte den Ehrenamtlichen. „Es war ein Geschenk für die arme und kleine Gemeinde auf ihrer Wanderschaft durch die Zeit.“

„Jeder konnte sich in Kochheims Predigt wiederfinden“, betonte Superintendentin Jutta Walber. Sie erinnerte daran, dass Kochheim entgegen einer ursprünglichen Abmachung mit dem damaligen Superintendenten Ernst Gillmann nach einigen Jahren zusätzlich auch noch Religionsunterricht in Schulen geben musste: 28 Jahre lang an der Berufsbildenden Schule Kirn, danach fünf Jahre am Göttenbach-Gymnasium in Idar-Oberstein, bevor er vor vier Jahren auch noch die Pfarrstelle in Nahbollenbach übernahm.

Presbyteriumsvorsitzende Helga Lenz meinte, dass es die kurzen, dennoch inhaltsreichen und gut verständlichen Predigten waren, die Pfarrer Kochheim ausgezeichnet haben. Zudem habe er bei Beerdigungen immer die richtigen Worte gefunden. Hervorzuheben sei auch die Musik, das Spielen am Klavier, an der Orgel, mit der Gitarre und auch am Cello, besonders das Zusammenspiel mit seiner Tochter Anne. „Sie haben vor Jahren Gitarrenunterricht gegeben, später den Flötenkreis geleitet und vor allem den Kirchenchor. Es hat Freude gemacht. Die Musik wird sehr fehlen“, fügte Helga Lenz hinzu und überreichte ein Präsent. Sie hielt weiter fest: „Ihnen und Ihrer Frau danke ich im Namen des Presbyteriums und der Kirchengemeinde für Ihr engagiertes Wirken. Wir sind froh, dass uns in der Kirchengemeinde jetzt keine lange Vakanz bevorsteht. Es wird direkt ein neuer Pfarrer für uns zuständig sein. Uwe Kreutz, wir heißen Sie bei uns willkommen und hoffen auf eine gute Zusammenarbeit.“ Kreutz ist in der fast 200-jährigen Kirchengeschichte Bergens der zehnte Pfarrer. Nach Kochheims Entpflichtung führte Superintendentin Walber ihn in sein neues Amt ein.

Nach dem Gottesdienst waren die Besucher zu Kaffee und Kuchen ins Dorfgemeinschaftshaus eingeladen. Auch dort gab es Worte des Dankes. „Lange Haare, Motorrad fahrend, Rothändle rauchend. Was kommt da nur auf uns zu?, haben wir uns damals vor 37 Jahren gefragt“, so schilderte Bergens Ortsbürgermeister Stefan Ruppenthal in seiner mit viel Humor gespickten Rede die Ankunft Kochheims im Oktober 1980.

Insgesamt 37 Jahre habe er lokale Kirchengeschichte geschrieben. „Sie endet mit einem honorigen, weißhaarigen, Pfeife rauchenden Kirchenmann“, sagte Ruppenthal und überreichte eine Pfeife. Seine Amtskollegen Herbert Hohmann (Griebelschied) und Hubert Paal (Berschweiler) hatten jeweils eine „SooNahe-Beziehungskiste“ dabei, Helga Buss aus Berschweiler übergab im Namen der Frauenhilfen ebenfalls ein Präsent.

 

Presbyteriumsvorsitzende Helga Lenz bedanke sich bei Pfarrer Günter Kochheim und überreichte ein Foto-Buch.

 

Nahe Zeitung vom Donnerstag, 31. August 2017, Seite 20

Ergänzung:

Gemeinde schon älter
Da staunte der Pfarrer und Regionalhistoriker Erik Zimmermann: Im NZ-Bericht über die Verabschiedung des Kollegen Günter Kochheim in Bergen war die Rede von der 200-jährigen Geschichte der Kirchengemeinde. Das Datum bezieht sich vielleicht auf die Oldenburger Zeit. Tatsächlich ist laut Zimmermanns Recherche wohl schon 1542 im wild- und rheingräflichen Bergen der lutherische Geistliche Sixtus Caesar nachweisbar. Caesar war Pfarrer in Westernach, der heutigen Wüstung Wassenach zwischen Bergen und Berschweiler bei Kirn. Dort erinnert noch der Friedhof an den Standort der alten Feldkirche. 1550 wird in Bergen Pfarrer Nikolaus Horstein erwähnt. Damit war der Ort schon vor der amtlichen Einführung der Reformation durch die Wild- und Rheingrafen evangelisch. Dem Kollegen wünscht Zimmermann, dessen Sohn Kochheim noch als Religionslehrer am Heinzenwies-Gymnasium in guter Erinnerung hat, Gottes Segen für den Ruhestand.
E-Mail an die Maijebritsch: idar-oberstein@rhein- zeitung.net
Nahe Zeitung vom Samstag, 2. September 2017, Seite 20
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Von | 2017-09-02T20:55:03+00:00 1. September 2017|Kategorien: Ev. Frauenhilfe, Kirche, Zeitung|1 Kommentar

Ein Kommentar

  1. Günter Weinsheimer 28. September 2017 um 9:09 Uhr - Antworten

    Herr Zimmermann, natürlich wissen wir alle in Bergen, Griebelschied und Berschweiler über die Kirchengeschichte Bescheid. In „Kirchengeschichte“ bezieht sich der Autor auf die Anzahl Pfarrer, welche in den letzten 200 Jahren ihren Dienst taten.

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